Worum geht's beim Integrationspreis?

Zum neunten Mal wurden sächsische Initiativen, Unternehmen und Vereine mit dem Sächsischen Integrationspreis ausgezeichnet, die sich im besonderen Maße für die Integration ihrer ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger engagieren. Denn gelungene Integration ist ein Gewinn für alle Beteiligten!

Vereine und Verbände

Vereine und Verbände sind wichtige Partner für Integrationsprozesse, können sie doch einen einfachen Zugang zu Teilhabe und gemeinsamen Aktivitäten auf der Basis gleicher Interessen fördern. Gesucht werden Vereine und Verbände, in denen Migrantinnen und Migranten willkommen sind und sich aktiv in das Vereinsleben integrieren können, unabhängig davon ob es sich um Kultur, Sport, Kunst, Wissenschaft, Umwelt oder Soziales handelt. Entscheidend ist das gleichberechtigte Miteinander entsprechend der Vereinssatzung.

Unternehmen

Gesucht werden engagierte Unternehmen, in denen Integrationsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. In ihnen pflegen Geschäftsführung wie Belegschaft gleichermaßen einen offenen, respektvollen und toleranten Umgang mit Migrantinnen und Migranten, organisieren Fach- und Sprachtrainings, Patenschaften oder berücksichtigen kulturelle und religiöse Besonderheiten.

Institutionen, Verwaltungen, Einrichtungen

In vielen Kommunen wurden in den letzten drei Jahren gewaltige Anstrengungen unternommen, um die ankommenden Flüchtlinge zu betreuen und für das Lebensnotwendige zu sorgen. Es sind die Kommunen, die die Bereitstellung von Wohnraum, von Kita- und Schulplätzen für Migrantinnen und Migranten sicherstellen. Und es sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kommunen auf allen Ebenen, die schnell praxistaugliche Lösungen auf der Grundlage der geltenden Gesetze und Bestimmungen organisieren.

Einzelpersonen

Viele Bürgerinnen und Bürger unterstützen Migrantinnen und Migranten bei der Bewältigung des Alltags. Sie kümmern sich um ein nachbarschaftliches Zusammenleben, organisieren persönliche Begegnungen und vermitteln Kontakte oder stellen sich gegen fremdenfeindliche Vorurteile.

Preisträger 2018

Alle Preisträger 2018

Für den Sächsischen Integrationspreis 2018 hatten sich 78 Vereine, Verbände, Initiativen und Unternehmen beworben. Ausgezeichnet wurden drei Projekte und Initiativen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten besonders für die Integration von Migrantinnen und Migranten in die Gesellschaft einsetzten, sie unterstützten, förderten und vorlebten.

Eine sechsköpfige Jury ermittelte die Preisträger. Drei gleichwertige Preise, die mit je 3.000 € dotiert sind, wurden in einer Festveranstaltung im Plenarsaal des Sächsischen Landtags vergeben. Zur Preisverleihung waren über die Preisträger hinaus alle vorgeschlagenen Initiativen und Vereine eingeladen, um ihr Engagement zu würdigen und sichtbar zu machen.

Alle Nominierten werden in einer Broschüre vorgestellt.

Preisträger 2018: Spike e. V. Dresden

Spike e. V. wurde deshalb von der Jury ausgewählt, weil es sich um ein Angebot handelt, welches sich unaufgeregt für junge Flüchtlinge geöffnet hat. Das Projekt gibt Halt, einen festen Anlaufpunkt, es schult und begleitet. SPIKE aus Dresden bietet Heimat, Freude und Freunde, Clique. Gäbe es kein SPIKE, bestände die Gefahr, dass sich geschlossene Gruppen bilden und verselbstständigen.

SPIKE bietet in Dresden Jugendsozialarbeit an und hat sich für Menschen mit Migrationshintergrund geöffent. Sie haben sich für ausländische Jugendliche aufgestellt, Ihnen nicht nur den Raum angeboten, sondern aktiv zur Mitarbeit aufgefordert. Die Migranten dürfen und sollen aktiv werden, Teilhabe wahrnehmen, eigene Kultur einbringen, interkulturell im besten Sinne sein.  SPIKE bietet Sicherheit, Struktur und Heimat zum Beispiel für eine Gruppe junger Eritreer.

Die Jury würdigt hier ein Projekt, was einen langen Atem bewiesen hat, denn SPIKE arbeitet über Jahre seit 2015.

Preisträger 2018: Tischlerei Sebastian Schulz, Chemnitz

Unter den 78 Vorschlägen, die die Jury eingehend betrachtete, waren 18 Unternehmen. Das ist hoch erfreulich, denn es zeigt, dass sich die aktuellen Aufgaben der Integration verlagert haben. Es hätten also einige Unternehmen ausgezeichnet werden können, stellvertretend entscheid sich die Jury für eine sehr kleine Tischlerei aus Chemnitz. Denn sie bietet neben dem faktischen  -  also Beschäftigung und Praktikum im holzverarbeitenden Gewerbe  - eine Verbindlichkeit in unsere Gesellschaft an.

Gleichberechtigt und gegenseitig anerkannt - gleiche Pflichten halten die Balance. „Wir arbeiten und essen zusammen, wir verbringen zusammen den Arbeitsalltag und kommen dabei auf natürliche Weise in Gespräch.“ Jeder muss eine Chance bekommen und die Tischlerei von Sebastian Schulz aus Chemnitz gibt diese Chancen.

Wir brauchen Betriebe, die ihre Mitarbeiter achten, die partnerschaftlich mit ihnen umgehen. Die Menschen in Arbeit bringen, die Zukunft organisieren und selbstverständlich machen. Es liegt auf der Hand, dass die Akzeptanz in der Aufnahmegesellschaft besser wird, wenn Menschen mit Migrationshintergrund ihr Leben selbst in die Hand nehmen können.

Der Tischlerei Schulz kann man sehr gut das Etikett „bodenständig“ verleihen. Bodenständige Arbeit, mit Hand, Herz und Kopf. Man sieht am Abend, was geschaffen wurde und kann stolz sein.  In einer solchen Lebensatmosphäre gibt es nicht den Ausländer, den Flüchtling, den Praktikanten, sondern Kollegen.

Preisträger 2018: Zeittauschbörse Taucha, Ev.-luth. Kirchgemeinde

Das nächste Projekt, für das sich die Jury nach intensiver Diskussion entschieden hat, ist ein Projekt in der Trägerschaft eine Kirchgemeinde – die Zeittauschbörse der ev. luth. Kirchgemeinde Taucha.

Es ist ein Projekt in Taucha für Tauchaer und es ist ein offenes Projekt für die gesamte Bevölkerung in Taucha, ob Flüchtling, Gemeindemitglied, Bürgerin oder Schüler, Migrant oder „schon immer Tauchaer“. Das tragende Motiv ist eine der drei Säulen des christlichen Grundauftrages - der christliche Auftrag zur tätigen Nächstenliebe.

Das Projekt funktioniert in Zusammenarbeit mit anderen christlichen Gemeinschaften, mit anderen bürgerlichen Projekten, mit anderen Strukturen wie etwa der Stadtverwaltung. Ziel ist: Die Unterstützung von Hilfebedürftigen auf der Basis von Gegenseitigkeit und Respekt. Es funktioniert ganz einfach: Ich gebe dir etwas Wichtiges, meine Zeit. Unsere Verbindung gelingt zum Vorteil für viele, wenn auch du deine Zeit, dein Wissen und deine Kraft mit einbringst.