Worum geht es beim Integrationspreis?

Zum zehnten Mal werden sächsische Initiativen, Unternehmen und Vereine mit dem Sächsischen Integrationspreis ausgezeichnet, die sich im besonderen Maße für die Integration ihrer ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger engagieren. Denn gelungene Integration ist ein Gewinn für alle Beteiligten!

Vereine und Verbände

Vereine und Verbände sind wichtige Partner für Integrationsprozesse, können sie doch einen einfachen Zugang zu Teilhabe und gemeinsamen Aktivitäten auf der Basis gleicher Interessen fördern. Gesucht werden Vereine und Verbände, in denen Migrantinnen und Migranten willkommen sind und sich aktiv in das Vereinsleben integrieren können, unabhängig davon ob es sich um Kultur, Sport, Kunst, Wissenschaft, Umwelt oder Soziales handelt. Entscheidend ist das gleichberechtigte Miteinander entsprechend der Vereinssatzung.

Unternehmen

Gesucht werden engagierte Unternehmen, in denen Integrationsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. In ihnen pflegen Geschäftsführung wie Belegschaft gleichermaßen einen offenen, respektvollen und toleranten Umgang mit Migrantinnen und Migranten, organisieren Fach- und Sprachtrainings, Patenschaften oder berücksichtigen kulturelle und religiöse Besonderheiten.

Institutionen, Verwaltungen, Einrichtungen

In vielen Kommunen wurden in den letzten drei Jahren gewaltige Anstrengungen unternommen, um die ankommenden Flüchtlinge zu betreuen und für das Lebensnotwendige zu sorgen. Es sind die Kommunen, die die Bereitstellung von Wohnraum, von Kita- und Schulplätzen für Migrantinnen und Migranten sicherstellen. Und es sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kommunen auf allen Ebenen, die schnell praxistaugliche Lösungen auf der Grundlage der geltenden Gesetze und Bestimmungen organisieren.

Einzelpersonen

Viele Bürgerinnen und Bürger unterstützen Migrantinnen und Migranten bei der Bewältigung des Alltags. Sie kümmern sich um ein nachbarschaftliches Zusammenleben, organisieren persönliche Begegnungen und vermitteln Kontakte oder stellen sich gegen fremdenfeindliche Vorurteile.

Preisträger 2019

Alle Preisträger 2019

Der Sächsische Integrationspreis wird gemeinsam durch die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration und den Sächsischen Ausländerbeauftragten ausgeschrieben. 2019 wurden drei Preise zu je 3.000 Euro und der Sonderpreis der Jury vergeben.

Um die ausgeschriebenen Preise bewarben sich 62 Initiativen, Vereine, Einzelpersonen, Unternehmen und Einrichtungen.

Preisträger 2019: Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“

Das Bürgerbündnis zur Unterstützung der Asylbewerber und zur Förderung von Toleranz und Völkerverständigung hat 70 Mitglieder und ist überparteilich, überkonfessionell, nichtkommerziell. Unser Ziel ist die Integration von Migranten in unsere Stadt. Das Projekt koordiniert seit sechs Jahren die Arbeit ehrenamtlich tätiger Deutscher und Migranten. Zu den Aktivitäten zählen: Ehrenamtliche Sprachkurse, Nachhilfe, Schulungen, Patenschaftstreffen, Frauen- und Männertreffs, MITEINANDER reden und Begegnungscafès, eine Nähstube im Flüchtlingsheim sowie die regelmäßige ehrenamtliche Kinderbetreuung in den Spielzimmern.
Die Migranten sind im Bürgerbündnis als Ehrenamtliche gleichberechtigt einbezogen. Das betrifft sowohl alle Veranstaltungen und Versammlungen als auch Entscheidungen. Sie werden, wie alle anderen Engagierten, eingeladen und können sich aktiv in die Bündnisarbeit einbringen. Sie organisieren selbst Veranstaltungen, Treffen oder Weiterbildungen, melden Schulungsbedarfe und Entwicklungen aus der Geflüchtetenschaft, die sie beobachten. Die Teilnahme an städtischen Veranstaltungen führte dazu, dass sich migrantische Ehrenamtliche mit dem Oberbürgermeister und potenziellen Arbeitgebern unterhielten und nun als Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden. Migranten werden inzwischen auch Elternbegleiter, sind gleichwertige Mitglieder im Bündnis.

Es gibt einen ehrenamtlich geleiteten Deutschkurs, der dreimal wöchentlich stattfindet. Diesen kann JEDER besuchen, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Deutsche und migrantische Ehrenamtliche begleiten als Dolmetscher zum Jobcenter, zur Agentur für Arbeit und unterstützen die Beratung.

Preisträger 2019: CVJM Glauchau e. V., „bunteBOX“

Herzstück der Arbeit des CVJM Glauchau e. V. ist die „bunteBOX“, ein offener Kinder- und Jugendtreff. Sie ist eine Anlaufstelle für neue soziale Kontakte, interkulturellen Austausch und eine abwechslungsreiche Freizeitgestal- tung für Kinder und Jugendliche aller sozi- alen Schichten sowie mit Asyl-, Flucht- und Migrationshintergrund. Seit 2014 setzen wir damit ein Zeichen für die kulturelle Vielfalt in Glauchau. Mittlerweile können wir an unseren Öffnungstagen ca. 50 Kinder aus sieben verschiedenen Nationen begrüßen.
Jede Woche bietet der CVJM Glauchau feste, wiederkehrende Projekte wie die „bikeBOX“ (eine kostenlose Selbsthilfewerkstatt für Kinder und Jugendliche), die „spielBOX“ (Bewegungsangebot in der örtlichen Schul-Turnhalle), die „bunteBOX“ und Hausaufgabenhilfe an. Neben den wöchentlichen Öffnungstagen gibt es in der „buntenBOX“ jährliche Höhepunkte wie Ausflüge, Freizeiten, verschiedene Workshops (z. B. Graffiti, Löten, Bildhauen), Familiennachmittage und das eine oder andere tolle Projekt zum Selbermachen. Im April fand in der „bunteBOX“ ein Hip-Hop- Workshop statt. Die Teilnehmer lernten Basics zum Hip-Hop-Genre kennen, konnten selber Beats aufnehmen und sich mit Grundlagen der Musikproduktion vertraut machen. Sie gingen über ihre bisherigen Grenzen hinaus und sammelten neue Erfahrungen, indem sie einen eigens geschriebenen Song aufnahmen. Passend zum Song wurde von ihnen noch ein Musikvideo produziert. Fachlich begleitet wurde der Workshop von einem Team aus Musikpädagoge, DJ und Videographer. Den fertigen Song und weitere Eindrücke unserer Arbeit gibt es auf www.youtube.com.watch?v=F_vDrucSKgI sowie Instagram „cvjmglauchau“ oder auf Facebook „CVJM Glauchau".

Preisträger 2019: Fortbildungszentrum Chemnitz gGmbH „horizont“, Magazin aus Chemnitz

Das Projekt Flüchtlingszeitung ist vom Fortbildungszentrum Chemnitz initiiert worden und wird von der SAB gefördert. Dabei schreiben Geflüchtete selbst Artikel, die mit Hilfe der Projektleitung dann auf Deutsch erscheinen. Primäre Ziele sind es, Empathie und Verständnis bei den Lesern zu schaffen, indem Menschen, sowohl Chemnitzer als auch Geflüchtete, aufgeklärt werden. Außerdem soll Migranten in Chemnitz und Umgebung eine Stimme gegeben werden. Neben der Internetseite (www.horizontmagazin.de), existiert eine Facebook-Seite, die über aktuelle Arbeitsstände informiert. Gegenwärtig sind 20 Personen in das Projekt involviert. Die Druckauflage beträgt derzeit 500 Stück, wird aber aufgrund steigender Nachfrage sicherlich erhöht werden. Zwei Personen sind derzeit in Teilzeit beschäftigt, alle anderen Personen arbeiten ehrenamtlich für das Magazin.

Die Redakteure können selbstständig ihr Wunschthema in Artikeln bearbeiten. Ihre Anliegen werden also ungefiltert und direkt publiziert. Bisherige Teilnehmer fühlen sich auf ihrem Weg bestätigt und festigen ihr Selbstvertrauen, um mehr Eigeninitiative im Stadtgeschehen von Chemnitz zu ergreifen. Im Moment arbeiten drei Journalistinnen aus Afghanistan, dem Iran und Libyen und drei GrafikerInnen aus der Türkei und dem Iran für das Magazin. Sie können durch

das Projekt erstmals in Deutschland berufliche Erfahrungen und Referenzen sammeln und somit ihre Chancen steigern, bei deutschen Arbeitgebern tätig zu werden. Außerdem werden positive Beispiele gelungener Arbeitsmarktintegration (z. B. ein Lehrer aus der Türkei, der nach einem Jahr in Deutschland bereits wieder an einer Privatschule unterrichten darf) aufgezeigt, die andere Migranten motivieren sollen.

Sonderpreis der Jury 2019: Udo Friedrich – Ehrenamtlicher Integrationspate

Mein Name ist Udo Friedrich. Neben meiner Schichtarbeit bei Volkswagen Sachsen leiste ich aktiv Integrationshilfe. Dabei verfolge ich das Ziel „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben, um den alltäglichen Herausforderungen beim Leben in Deutschland gewachsen zu sein. Wichtig ist dafür in meiner Auffassung, Land und Leute zu verstehen, die „Regeln“ zu begreifen, Zusammenhänge zu erkennen und den beruflichen Alltag mit all seinen Herausforderungen meistern. Dazu bin ich nahezu täglich unterwegs.
In einer Demokratie sollten einerseits für alle Mitglieder die gleichen Regeln gelten, ande- rerseits sollten sie auch dieselben Chancen haben. Unsere neuen Mitbürger gehören dazu und sollten keinesfalls ausgeschlossen werden. Geschieht dies doch, hat die Demokratie ein Problem. Keinesfalls sollten Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Hautfarbe ausgeschlossen werden. Hier lebende Menschen sind Teil der Gesellschaft und sollten auch so behandelt werden.
Die deutsche Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg. Die von mir betreuten Menschen sprechen inzwischen sehr gut Deutsch und festigen ihren Sprachschatz durch einen er- weiterten Freundeskreis mit vielen Menschen aus Deutschland. Eine kürzlich gelungene Familienzusammenführung (fast 4 Jahre Kampf! Nerven! Ausweglosigkeit! Tränen!) stellte uns vor neue Herausforderungen. Schulplätze in DAZ-Klassen für die drei Kinder wurden inzwischen gefunden, ebenso die Möglichkeit für zwei Erwachsene, in einer Sprachschule in Zwickau zu lernen. Die Suche nach Praktikumsplätzen und das „Probearbeiten“ waren immer eine gute Möglichkeit, in den beruflichen Alltag „hineinzuschnuppern“.